WEINE

ERSTling 2018

Da ist er also, der Erstling! Nicht nur mein erster Wein, sondern auch die allererste Lese dieses Weinbergs. Mit nur ein bis zwei Traubenhenkeln pro Stöckchen wurde sichergestellt, dass sich die Rebe nicht verausgabt und auch in den nächsten Jahren kraftvoll wachsen und Früchte reifen lassen kann.

Die vollreifen und gesunden Trauben des sonnenverwöhnten Sommers 2018 ergaben diese exklusive Menge von nur 360 L (Vorsicht, schnell ausgetrunken!), die uns den Sommer 2019 versüßen werden – egal wie heiß, kalt, trocken oder nass es werden wird!

Der zart sonnengelbe Wein birgt Aromen von reifen Früchten wie Weinbergspfirsich und Mirabellen. Neben der Restsüße findet man auch eine spritzige Säure, die viel milder daher kommt, als bei manch anderem Riesling. Im Abgang ist er angenehm und weich. Er weckt Trinkfreude bereits beim ersten Schluck und begleitet mit 10,5 % vol. auch durch längere Sommerabende.

Neben den augenscheinlichen Merkmalen wie Farbe und Geschmack besticht der Erstling zudem durch seine innere Qualität. Zeit, Handarbeit, schonende Methoden sowie ein kontrolliertes Beobachten schufen die Bedingungen für das vorliegende Ergebnis. Er ist nicht einer von vielen Weinen, die sich meine Aufmerksamkeit teilen mussten. Nein, er ist DER Eine, der meine vollste Aufmerksamkeit erhielt. Und so profitierten wir beide voneinander. Mich lehrte er Geduld, und er erhielt den Raum, den er benötigte, um so zu werden wie er ist.
Probiert selbst!

HERSTELLUNG ERSTLING

Weinberg
Sonnengereifte Rieslingtrauben

Der Sommer 2018 schenkte uns Trauben bester Qualität. In diesen Rieslingträubchen steckt Sonne pur!

Weinlese
Scherenhubwagen mit einem Teil der Ernte

Dank fleißiger Helfer konnten über 500 kg Trauben von Hand gelesen werden. Besonderer Dank gilt dem Weingut Würth für die Trauben und die Manpower und dem Weingut Milch für Traktor und Anhänger sowie mentalem Beistand.

Weinlese
Auf dem Weg in die Kelter

Durch die schonende und sanfte Ganztraubenpressung erhielten wir schließlich…

Weinlese
Auffangwanne unter der Kelter

… über 400 L leckersten Most.

Weinherstellung
Vorklärung

Der Most wird zur sedimentativen Vorklärung in einen Tank umgepumpt.

Weinherstellung
Kelterreinigung

Das Reinigen der Kelter und das damit verbundene „Duschen“ gehören natürlich auch dazu.

Weinherstellung
Überführen des Mosts in den Gärtank

Nach einem Tag kann der vorgeklärte Most vom Trub abgezogen und in den Gärtank überführt werden.

Weinherstellung
Der gefüllte Tank

Jetzt heißt es warten, bis die Gärung selbständig startet…

Sichtbare Gäraktivität

Nach ca. 10 Tagen blubbert das Gärröhrchen! Die Umsetzung des Zuckers zu Alkohol lässt CO2 entstehen, das über das Röhrchen entweicht.

Gärstockung
Gärstockung

Die „wilden“ Hefen schaffen es nicht, den extrem hohen Zuckergehalt komplett in Alkohol umzuwandeln. Wir helfen mit konventioneller Hefe nach. Hier ist der Ansatz in einem 25 L-Ballon zu sehen, der auf seine Überführung in den Tank wartet und der Hefe „Zeit zum Einleben“ schenkt.

Der filtrierte Wein

Nach Ende der Gärung setzt sich die Hefe auf dem Boden des Tanks ab. Für kristallklaren Wein sorgt 2xiges Filtrieren.

Viele Flaschen auf dem Weg zur Abfüllung

Die sterilen Flaschen laufen zum Befüllen

Der Verschluss kommt drauf

Die gefüllten Flaschen verlassen die Abfüllstrasse

Die frisch gefüllten Flaschen in der Gitterbox

Mein (Wein-) Weg

Bianca Gerstenberger

Ein Zufall

Im Herbst 2016 „lande“ ich zufällig bei einer Weinprobe eines Weinguts der Nachbarschaft. Dessen Sohn übernahm vor Kurzem den Betrieb und stellt an diesem Abend seine ersten Weine vor. Ich bin fasziniert von der Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Weine, abhängig davon wer „das Zepter in der Hand hält“, wo doch Weinberge und Equipement die Gleichen sind. Dieser Faszination möchte ich nachgehen, rufe Sebastian an und frage, ob er mich hin und wieder mal mitnehmen würde. Gesagt, getan.

Ich bin zwar selbst berufstätig, allerdings spüre ich schon länger eine gewisse Sehnsucht nach Veränderung. So schaffe ich immer wieder ein klein wenig Raum, wo es eigentlich keinen gibt. Einfach so, nur für mich. Neben den Arbeiten im Wingert entdecke ich die Wunder der Natur wieder, die ich schon lange nicht mehr wahrnehme. Die Sonne, die das Panorama des Zellertals bei ihrem Untergang am Abend in faszinierenden Tönen schillern lässt. Der erfrischende Sommerregen, der die überhitzte Atmosphäre zu kühlen weiß. Nass bis auf die Haut genießt man den leichten Wind, arbeitet einfach weiter und merkt erst viel zu spät, dass das Cabrio nun einer Badewanne gleicht. Ein gewaltiges Gewitter, das einen autoritär und unmissverständlich zu verstehen gibt, die Arbeit jetzt einzustellen. Der Wind mit seiner Wetterprognose, wenn er mal nicht aus Westen kommt. Ein Ohrenzwicker – einer von vielen und trotzdem wird ihm Zeit geschenkt, weil dieser gerade besonders frech aus seinem „Trauben-Haus“ linst. Die unscheinbare Blüte der Trauben: wer hat sie sich eigentlich jemals genau angesehen, wo sie uns doch solche leckeren Früchte schenkt?

Das Gefühl von Freiheit trägt mich am Ende eines jeden Tages im Wingert. Eine intensive erste Zeit! Wegweisend.

Besucht Sebastian und verkostet seine Weine: www.sebastian-weine.de

Ein Zufall kommt selten allein

Irgendwann im Frühling 2017. Auf der Arbeitsfläche in unserer Küche liegt eine Zeitung. Vom Titelbild strahlt mich Annika an. Der Titel: „Die Quer-(W)einsteigerin: Mit Charme und Chuzpe“. Ich stutze ob des merkwürdigen Wortspiels und wundere mich über noch merkwürdigere Zufälle. Nach den ersten vereinzelten Tagen im Wingert trage ich mich immer öfter mit dem Gedanken, mich beruflich zu verändern. Aber wie? Und jetzt das! Dem Internet sei Dank find ich schnell eine Email-Adresse, die mich zum Ziel bringt. Kurze Zeit später treffen wir uns im Weinlädchen in Worms, verbringen nette Stunden bei nicht nur einem Glas Wein, tauschen uns aus. Annika ist quirlig, sprudelt vor Ideen und packt die Dinge an, probiert aus. Von ihr erhalte ich genau den Zuspruch, den ich jetzt brauche! Annika ist für mich aus meinem Wein-Weg so wenig wegzudenken wie die Maischegärung beim Rotwein.

Lernt Annika selbst kennen unter: www.weingut-illian-arnd.de

Und dann kam auch noch Glück dazu!

September 2017: Ich kündige, ohne so recht zu wissen wie es weitergeht. Ich suche nicht nach dem Weg, ich möchte warten bis er sich zeigt.

In 5 Monaten Kündigungsfrist zeigte sich nicht viel von dem Weg. Ich werde nervös. Mein Umfeld stellt schlaue Fragen auf die es keine Antworten gibt. Anfragen bei Weingütern waren erfolglos. Das Pachten meines ersten Stückchen Wingerts sah erst vielversprechend aus, platze dann aber doch. Und selbst wenn der Pachtvertrag zustande gekommen wäre – und dann? Bodenbewirtschaftung ohne Geräte?? Weinerzeugung ohne Equipement oder Know-How?? Mutig bis naiv beschreibt meine Idee vielleicht am besten.

Wo ist er denn nun, der Weg? Welchem Bauchgefühl wurde da nachgegeben, das mich nun in die Arbeitslosigkeit führt? Ich überlege wie es weitergehen kann. Ich überlege laut, spreche mit unterschiedlichen Menschen und plötzlich hat mein ehemaliger Arbeitskollege und Freund den richtigen Kontakt für mich: Weingut Milch in Monsheim. Nach einem unkonventionellen Vorstellungsgespräch bei meinem zukünftigen Mentor stehe ich wenige Tage später in der Abfüllhalle und staune über Unmengen an gefüllten Flaschen mit leckerstem Wein. Da ist er also doch, der Weg!!

Besucht Karl-Hermann Milch und verkostet seine Weine:www.weingut-milch.de

Jahrhundertsommer 2018 – für mich allemal!

„Qualität entsteht im Weinberg.“ Dieses Statement seiner Philosophie von Karl-Hermann Milch verstehe ich zwar, die Bedeutung dahinter erfahre und erspüre ich allerdings erst in den folgenden Wochen und Monaten. So heißt es Bogrebe anbinden, Pheromondispenser aushängen, Triebe mehrmals heften, Doppeltriebe und Geiztriebe ausbrechen, Triebe richten, Traubenzone entblättern, Ertrag regulieren, in der Junganlage Pfähle und Pflanzstäbchen setzen, Drähte ziehen, Jungreben anbinden, geizen,… alles Handarbeit versteht sich! Und es macht Spaß, wenngleich ich mehr als einmal meinen ungeübten Körper spüre. Erschöpft und zufrieden beende ich die Arbeitstage. Die frische Luft sorgt für tiefen Schlaf und Bärenhunger.

Und dann ist sie da, die Lese mit ihrem ganz eigenen Flair. Bei nach wie vor hochsommerlichen Temperaturen lesen bis zu 15 Erntehelfer das Ergebnis eines Jahres Arbeit in ihre Eimer. Trotz der Hitze und der Argusaugen des Vorarbeiters, der für bestes Lesegut sorgt, ist die Stimmung locker. Wir sprechen in drei Sprachen - und mit Händen und Füßen. Alle kennen das Ziel, alle arbeiten darauf hin, ziehen an einem Strang. Solchen Teamgeist kenne ich schon lange nicht mehr und freue mich umso mehr, ihn wieder zu treffen.

Zum Abschluss „meines“ Sommers ergibt sich dann noch die Möglichkeit meinen eigenen Wein herzustellen. Wie genau, könnte ihr unter „Herstellung Erstling“ finden. Soviel vorne weg: Das Weingut Milch spielt auch hier eine tragende Rolle für mich.

Zuvor möchte ich mich noch bei all den Zweiflern, Kopfschüttlern und Unterstützern bedanken! Ihr habt mich zum Nachdenken angeregt, mir den Rücken gestärkt und mich zu jeder Zeit meine Erfahrungen machen lassen. Wie schön, wenn Ihr mich auch weiterhin auf meinem „Weinweg“ begleitet!

P.S.: Mein Mann Jan setzt den Spruch seit 15 Jahren um - mindestens 1x täglich:
„Don’t try to understand me, just love me!“